16. April 2015

Geld und Gewissen: Ich fertige Modeschmuck #BloggerDenkenNach

Die Zeit, die es gebraucht hat, bis ich mich endlich daran gewagt habe, mich an das „Blogger denkennach“-Thema im April zu wagen, zeigt schon mal deutlich, wie schwer es mir fiel, einen vernünftigen Text und strukturierte Gedanken dazu aufzubauen.

Ich versuche, viele Bereiche meines Lebens so zu gestalten, dass dabei möglichst keine oder wenige Lebewesen zu Schaden kommen und Ressourcen geschont werden. Ich verzichte weitestgehend auf Fleischkonsum, habe mein Kaufverhaltenbezüglich Kleidung umgestellt, plane, nie ein Auto zu besitzen … und ich verdiene mein Geld damit, Modeschmuck anzufertigen und zu verkaufen.

Meinen Dawanda-Shop habe ich seit Ende 2007 und die aufgebauten Marktstände habe ich schon lange nicht mehr gezählt. Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich angefangen, das als meinen Hauptberuf anzusehen.

Vor allem auf Märkten macht es riesigen Spaß, Leuten dabei zuzusehen, wie sie sich in ganz bestimmte Schmuckstücke völlig verlieben. Dass ich das meinen Beruf nennen kann, ist großartig.

Wo ich dabei Probleme sehe

Ich feiere den Konsum.
Klar: Mit Massenfertigung hat meine Arbeit nichts zu tun. Und doch stelle ich täglich neue Dinge her, von denen ich hoffe, sie unter die Leute zu bringen. Ich lebe davon, dass andere Menschen Schmuckstücke ansammeln und verschenken. Mit Sparsamkeit und besonnenem Konsumverhalten hat das nicht viel zu tun.

Modeschmuckteile stammen aus asiatischer Großproduktion.
Dass so ziemlich kein Hersteller, kein Dawanda-Shop, der Modeschmuck anbietet, völlig auf industriell gefertigte Teile verzichten kann, sollte eigentlich jedem Kunden und jeder Kundin bewusst sein. Ein Ohrstecker? - Industriell gefertigt. Schicke Messing- und Bronzeanhänger? - Industriell gefertigt. Simple Ohrsteckerrohlinge, die liebevoll bei einer schönen Tasse Tee in Deutschland gefertigt werden, fallen schon wieder unter Gold- und Silberschmiedearbeiten – und damit eben nicht mehr unter Modeschmuck. Ein schönes, individuelles Schmuckstück aus „echten“ Metallen für 10 € oder sogar noch weniger ist undenkbar. Also gibt's Rohlinge aus asiatischer Herstellung und die genaue Herkunft der einzelnen Teile ist meist schwer zu überblicken.

Es fällt Müll an.
Auch wieder klar: Mit dem Müllaufkommen eines großen Versandhandels hat meines kleinen Unternehmens gar nichts am Hut. Dennoch: Versandtasche oder -karton, Luftpolsterfolie, Rechnung, Visitenkarte und eine ansprechende Verpackung des Produktes landen im Endeffekt alle im Müll. Je sparsamer Packung und Polsterung ausfallen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas kaputt ankommt. Und dazu soll's eben auch noch schick aussehen und Freude bereiten, wenn man das Päckchen öffnet.

Wie ich mit den Problemen umgehe

Ich setze auf zeitlose und besondere Teile.
Es gab eine Zeit, da habe ich Ohrringe, Ketten & Co. schlichtweg in allen Formen, Farben und Motiven gefertigt und angeboten, von denen ich annahm, dass sie irgendwem gefallen könnten. Vieles gefiel dann auch tatsächlich und gelangte in glückliche Hände, aber mittlerweile habe ich das dennoch umgestellt: Zum Einen müssen mir die Teile aus vollem Herzen gefallen. Jedes Motiv, jeder Farbton, jede Anhängerform wird zigmal angeschaut, bis ich sage „Jap, dich nehm' ich!“. Zum Anderen setze ich mehr auf zeitlose Teile als auf Trendstücke, die nur eine Saison lang zum eigenen Stil passen. So ist ein großer Teil des Cabochon-Schmucks (das sind die Schmuckstücke mit den bunten Glassteinen) einfarbig, die Motive sind schlicht gehalten, die Muster eher einfach und mit möglichst vielen Outfits und Stilrichtungen kombinierbar. Seit Kurzem gibt’s auch echt vergoldete Schmuckstücke, die durch ihre Haltbarkeit noch länger Freude bereiten.

Zeitlos schöne Teile ...

...und ganz besondere Stücke

Schmuckstücke wie die Kaktus-Ohrringe gehören in eine weitere Kategorie: Die der ganz individuellen Teile, von denen ich ahne, dass sie nicht allzu viele Liebhaber finden werden – aber wenn doch, dann solche, die sich an ihnen noch ewig und drei Tage erfreuen.

Ich wähle möglichst transparente Händler und Hersteller.
Für die einzelnen Schmuckteile suche ich nach Händlern und Herstellern, die ihr Unternehmen möglichst transparent darstellen und der Sache eine menschliche Note geben. Ich weiß dadurch natürlich immer noch nicht, welcher einzelne Ohrstecker von welcher Person wann, wo und wie genau gefertigt wurde, aber vor Allem bei besonderen Materialien gibt es mittlerweile einen ganz guten Einblick. Tatsächlich gibt es auch in China und Hong Kong kleinere Unternehmen, die bunte Cabochons, Medaillons etc. herstellen und einen Einblick in ihre Produktion gewähren.

Muster und Motive müssen nicht nur mir selber bedingungslos gefallen, sondern am besten auch noch vielfältig kombinierbar und langfristig tragbar sein.

Ich versuche, möglichst mit Basics zu arbeiten.
Vorgefertigte Motivcabochons habe ich tatsächlich noch nie gekauft, ebenso wenig wie fertige Ketten oder Armbänder. Stattdessen arbeite ich beispielsweise bei Ketten mit Meterware, aus denen ich selber Ketten und Armbänder in Wunschlänge und mit ausgewählten Fassungen fertige – ja, mit einer guten Tasse Kaffee und einem schönen Hörbuch. Sämtliche Glascabochons waren vor ihrer Verarbeitung simple transparente Glassteinchen, denen ich eine Farbe oder ein Motiv verpasst habe, bevor sie in ihren Fassungen landen.

Die Armbänder sind aus 2 x 5 cm Kette, 11 Ösen und einer Fassung per Hand, mit Geduld, Kaffee und Hörbuch gefertigt, die Glascabochons wurden in Handarbeit gefärbt.

Versandmaterial wird sparsam und sinnvoll eingesetzt.
Ich versende mittlerweile alle Schmuckstücke in DVD-Kartons, die, wenn sie bei der Post nicht außergewöhnlich schlecht behandelt werden, wiederverwendet werden und ein zweites Leben als Aufbewahrungsbox oder eben Versandmaterial eingehaucht bekommen können. Die Schmuckstücke befinden sich in kleinen Druckverschlussbeuteln aus Kunststoff, die auch langfristig zur Aufbewahrung verwendet werden können. So schön Luftpolsterfolie (Knallfolie ♥) auch ist, es kommt nur so viel davon zum Einsatz, wie nötig ist – in der Regel ein 10 cm * 15 cm großes Stück. Die ansprechende Verpackung besteht aus einer Butterbrottüte, die mit einem Stück Washi Tape verschlossen wird und prima direkt als Geschenkverpackung verwendet werden kann.

Rohlingporn

Insgesamt denke ich, habe ich einen Mittelweg zwischen schonungsloser Produktion und Konsumverherrlichung und einer langwierigen Fertigung weniger Einzelstücke mit ausschließlich „sauberen“ Materialien (von der es sich nie und nimmer leben ließe) gefunden. Ich habe irrsinnigen Spaß daran und hoffe, dass man das meiner Arbeit nicht nur ansieht, sondern sich das auch auf die zukünftigen BesitzerInnen der Schmuckstücke überträgt. Auch ohne eine eigene Goldschmiede oder Ähnliches bin ich immer irrsinnig stolz, wenn ich Menschen begegne, die meinen Schmuck tragen. :)

Im nächsten „Blogger denken nach“-Blogpost im April werde ich euch ein paar Tricks zeigen, wie ihr Modeschmuck so tragen und verwahren könnt, dass ihr möglichst lange Freude daran habt.

Wie seht ihr das? Findet ihr es besser, bei kleineren, individuellen Modeschmuckherstellern einzukaufen als bei großen Ketten? Gebt ihr bei ähnlicher Haltbarkeit der Schmuckstücke gerne mehr Geld dafür aus, dass ihr wisst, dass die letztendliche Anfertigung der Teile in individueller oder Kleinserienproduktion entstanden ist? Legt ihr Wert auf besonderen Schmuck, den nicht jeder hat?

Teilt eure Gedanken gerne in den Kommentaren mit – oder schreibt direkt einen eigenen Blogpost zum April Thema „Geld und Gewissen - Kurzlebige Produkte“. Dort könnt ihr mehr über das Projekt „Blogger denken nach“ erfahren und die Texte der anderen teilnehmenden Blogger finden.

Ich hoffe, ich konnte euch einen interessanten Einblick in meine Arbeit geben.

- Maren

1 Kommentar:

  1. Ein sehr interessanter Post zum Thema - wir werden an der Reihe übrigens auch noch teilnehmen :)

    Ich hatte selbst mal einen kleinen Dawanda-Shop, bei dem ich vor allem drauf geachtet habe, mit wirklich individuellen Materialen zu arbeiten. Ist wirklich (ich weiß, das kommt jetzt sicher falsch rüber!) kein Angriff an dich, aber diese Cabochon-Sache macht ja inzwischen jeder zweite Schmuckhändler dort und für mich ist das Massenproduktion und hat mit "liebevoll gefertigten Einzelstücken" leider nicht mehr viel zu tun, was ich sehr schade finde. Es gibt auch ganz viele Shops, die verkaufen nahezu identische Segeltuchtaschn - hat mich lange gewundert, bis ich dann entdeckt habe, dass die schon fertig aus China-Ebay importiert, und das als Handarbeit deklariert, teuer verscherbelt werden :/
    Ich kaufe dort kaum noch, ist viel zu kommerziell geworden. Etsy ist teilweise inzwischen die bessere Anlaufstelle geworden.
    Authetischer wäre zB. Upcycling. Aber nichtsdestotrotz find ich's toll, einen Dawanda-Shop hobbymäßig zu betreiben, eben weil ich weiß, wieviel Spaß das anfertigen, Shop-pflegen, Visitenkarten gestalten, versenden und auch das Kundenfeedback macht :) und generell trage ich auch zu 90% Schmuck aus genau solchen Kleinproduktionen und du machst wirklich hübsche Sachen :)

    Liebe Grüße,
    Kati

    AntwortenLöschen