Die Zeit, die es gebraucht hat,
bis ich mich endlich daran gewagt habe, mich an das „Blogger denkennach“-Thema im April zu wagen, zeigt schon mal deutlich, wie
schwer es mir fiel, einen vernünftigen Text und strukturierte
Gedanken dazu aufzubauen.
Ich versuche, viele Bereiche meines
Lebens so zu gestalten, dass dabei möglichst keine oder wenige
Lebewesen zu Schaden kommen und Ressourcen geschont werden. Ich
verzichte weitestgehend auf Fleischkonsum, habe mein Kaufverhaltenbezüglich Kleidung umgestellt, plane, nie ein Auto zu besitzen …
und ich verdiene mein Geld damit, Modeschmuck anzufertigen und zu
verkaufen.
Meinen Dawanda-Shop habe ich seit Ende
2007 und die aufgebauten Marktstände habe ich schon lange nicht
mehr gezählt. Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich angefangen, das
als meinen Hauptberuf anzusehen.
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| Vor allem auf Märkten macht es riesigen Spaß, Leuten dabei zuzusehen, wie sie sich in ganz bestimmte Schmuckstücke völlig verlieben. Dass ich das meinen Beruf nennen kann, ist großartig. |
Wo ich dabei Probleme sehe
Ich feiere den Konsum.
Klar: Mit Massenfertigung hat meine
Arbeit nichts zu tun. Und doch stelle ich täglich neue Dinge her,
von denen ich hoffe, sie unter die Leute zu bringen. Ich lebe davon,
dass andere Menschen Schmuckstücke ansammeln und verschenken. Mit
Sparsamkeit und besonnenem Konsumverhalten hat das nicht viel zu tun.
Modeschmuckteile stammen aus
asiatischer Großproduktion.
Dass so ziemlich kein Hersteller, kein
Dawanda-Shop, der Modeschmuck anbietet, völlig auf industriell
gefertigte Teile verzichten kann, sollte eigentlich jedem Kunden und
jeder Kundin bewusst sein. Ein Ohrstecker? - Industriell gefertigt.
Schicke Messing- und Bronzeanhänger? - Industriell gefertigt. Simple
Ohrsteckerrohlinge, die liebevoll bei einer schönen Tasse Tee in
Deutschland gefertigt werden, fallen schon wieder unter Gold- und
Silberschmiedearbeiten – und damit eben nicht mehr unter
Modeschmuck. Ein schönes, individuelles Schmuckstück aus „echten“
Metallen für 10 € oder sogar noch weniger ist undenkbar. Also gibt's Rohlinge aus asiatischer Herstellung und die genaue Herkunft der einzelnen Teile ist meist schwer zu überblicken.
Es fällt Müll an.
Auch wieder klar: Mit dem Müllaufkommen
eines großen Versandhandels hat meines kleinen Unternehmens gar
nichts am Hut. Dennoch: Versandtasche oder -karton, Luftpolsterfolie,
Rechnung, Visitenkarte und eine ansprechende Verpackung des Produktes
landen im Endeffekt alle im Müll. Je sparsamer Packung und
Polsterung ausfallen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass
etwas kaputt ankommt. Und dazu soll's eben auch noch schick aussehen
und Freude bereiten, wenn man das Päckchen öffnet.
Wie ich mit den Problemen umgehe
Ich setze auf zeitlose und besondere
Teile.
Es gab eine Zeit, da habe ich Ohrringe,
Ketten & Co. schlichtweg in allen Formen, Farben und Motiven
gefertigt und angeboten, von denen ich annahm, dass sie irgendwem
gefallen könnten. Vieles gefiel dann auch tatsächlich und gelangte
in glückliche Hände, aber mittlerweile habe ich das dennoch
umgestellt: Zum Einen müssen mir die Teile aus vollem Herzen
gefallen. Jedes Motiv, jeder Farbton, jede Anhängerform wird zigmal
angeschaut, bis ich sage „Jap, dich nehm' ich!“. Zum Anderen
setze ich mehr auf zeitlose Teile als auf Trendstücke, die nur eine
Saison lang zum eigenen Stil passen. So ist ein großer Teil des
Cabochon-Schmucks (das sind die Schmuckstücke mit den bunten
Glassteinen) einfarbig, die Motive sind schlicht gehalten, die
Muster eher einfach und mit möglichst vielen Outfits und
Stilrichtungen kombinierbar. Seit Kurzem gibt’s auch echt vergoldete Schmuckstücke, die durch ihre Haltbarkeit noch
länger Freude bereiten.
| Zeitlos schöne Teile ... |
| ...und ganz besondere Stücke |
Schmuckstücke wie die Kaktus-Ohrringe
gehören in eine weitere Kategorie: Die der ganz individuellen Teile,
von denen ich ahne, dass sie nicht allzu viele Liebhaber finden
werden – aber wenn doch, dann solche, die sich an ihnen noch ewig
und drei Tage erfreuen.
Ich wähle möglichst transparente
Händler und Hersteller.
Für die einzelnen Schmuckteile suche
ich nach Händlern und Herstellern, die ihr Unternehmen
möglichst transparent darstellen und der Sache eine menschliche Note geben. Ich weiß dadurch natürlich immer noch nicht, welcher
einzelne Ohrstecker von welcher Person wann, wo und wie genau gefertigt
wurde, aber vor Allem bei besonderen Materialien gibt es mittlerweile einen ganz guten Einblick.
Tatsächlich gibt es auch in China und Hong Kong kleinere
Unternehmen, die bunte Cabochons, Medaillons etc. herstellen und einen Einblick in ihre Produktion gewähren.
| Muster und Motive müssen nicht nur mir selber bedingungslos gefallen, sondern am besten auch noch vielfältig kombinierbar und langfristig tragbar sein. |
Ich versuche, möglichst mit Basics zu
arbeiten.
Vorgefertigte Motivcabochons habe ich
tatsächlich noch nie gekauft, ebenso wenig wie fertige Ketten oder
Armbänder. Stattdessen arbeite ich beispielsweise bei Ketten mit
Meterware, aus denen ich selber Ketten und Armbänder in Wunschlänge
und mit ausgewählten Fassungen fertige – ja, mit einer guten Tasse
Kaffee und einem schönen Hörbuch. Sämtliche Glascabochons waren vor
ihrer Verarbeitung simple transparente Glassteinchen, denen ich eine Farbe
oder ein Motiv verpasst habe, bevor sie in ihren Fassungen landen.
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| Die Armbänder sind aus 2 x 5 cm Kette, 11 Ösen und einer Fassung per Hand, mit Geduld, Kaffee und Hörbuch gefertigt, die Glascabochons wurden in Handarbeit gefärbt. |
Versandmaterial wird sparsam und
sinnvoll eingesetzt.
Ich versende mittlerweile alle
Schmuckstücke in DVD-Kartons, die, wenn sie bei der Post nicht
außergewöhnlich schlecht behandelt werden, wiederverwendet werden
und ein zweites Leben als Aufbewahrungsbox oder eben Versandmaterial
eingehaucht bekommen können. Die Schmuckstücke befinden sich in
kleinen Druckverschlussbeuteln aus Kunststoff, die auch langfristig zur Aufbewahrung
verwendet werden können. So schön Luftpolsterfolie (Knallfolie ♥)
auch ist, es kommt nur so viel davon zum Einsatz, wie nötig ist –
in der Regel ein 10 cm * 15 cm großes Stück. Die ansprechende
Verpackung besteht aus einer Butterbrottüte, die mit einem Stück
Washi Tape verschlossen wird und prima direkt als Geschenkverpackung
verwendet werden kann.
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| Rohlingporn |
Insgesamt denke ich, habe ich einen
Mittelweg zwischen schonungsloser Produktion und Konsumverherrlichung
und einer langwierigen Fertigung weniger Einzelstücke mit
ausschließlich „sauberen“ Materialien (von der es sich nie und
nimmer leben ließe) gefunden. Ich habe irrsinnigen Spaß daran und
hoffe, dass man das meiner Arbeit nicht nur ansieht, sondern sich das
auch auf die zukünftigen BesitzerInnen der Schmuckstücke überträgt.
Auch ohne eine eigene Goldschmiede oder Ähnliches bin ich immer
irrsinnig stolz, wenn ich Menschen begegne, die meinen Schmuck
tragen. :)
Im nächsten „Blogger denken
nach“-Blogpost im April werde ich euch ein paar Tricks zeigen, wie ihr
Modeschmuck so tragen und verwahren könnt, dass ihr möglichst lange
Freude daran habt.
Wie seht ihr das? Findet ihr es besser,
bei kleineren, individuellen Modeschmuckherstellern einzukaufen als
bei großen Ketten? Gebt ihr bei ähnlicher Haltbarkeit der
Schmuckstücke gerne mehr Geld dafür aus, dass ihr wisst, dass die
letztendliche Anfertigung der Teile in individueller oder
Kleinserienproduktion entstanden ist? Legt ihr Wert auf besonderen
Schmuck, den nicht jeder hat?
Teilt eure Gedanken gerne in den Kommentaren mit – oder schreibt direkt einen eigenen Blogpost zum April Thema „Geld und Gewissen - Kurzlebige Produkte“. Dort könnt ihr mehr über das Projekt „Blogger denken nach“ erfahren und die Texte der anderen teilnehmenden Blogger finden.
Teilt eure Gedanken gerne in den Kommentaren mit – oder schreibt direkt einen eigenen Blogpost zum April Thema „Geld und Gewissen - Kurzlebige Produkte“. Dort könnt ihr mehr über das Projekt „Blogger denken nach“ erfahren und die Texte der anderen teilnehmenden Blogger finden.
Ich hoffe, ich konnte euch einen interessanten Einblick in meine Arbeit geben.
- Maren



Ein sehr interessanter Post zum Thema - wir werden an der Reihe übrigens auch noch teilnehmen :)
AntwortenLöschenIch hatte selbst mal einen kleinen Dawanda-Shop, bei dem ich vor allem drauf geachtet habe, mit wirklich individuellen Materialen zu arbeiten. Ist wirklich (ich weiß, das kommt jetzt sicher falsch rüber!) kein Angriff an dich, aber diese Cabochon-Sache macht ja inzwischen jeder zweite Schmuckhändler dort und für mich ist das Massenproduktion und hat mit "liebevoll gefertigten Einzelstücken" leider nicht mehr viel zu tun, was ich sehr schade finde. Es gibt auch ganz viele Shops, die verkaufen nahezu identische Segeltuchtaschn - hat mich lange gewundert, bis ich dann entdeckt habe, dass die schon fertig aus China-Ebay importiert, und das als Handarbeit deklariert, teuer verscherbelt werden :/
Ich kaufe dort kaum noch, ist viel zu kommerziell geworden. Etsy ist teilweise inzwischen die bessere Anlaufstelle geworden.
Authetischer wäre zB. Upcycling. Aber nichtsdestotrotz find ich's toll, einen Dawanda-Shop hobbymäßig zu betreiben, eben weil ich weiß, wieviel Spaß das anfertigen, Shop-pflegen, Visitenkarten gestalten, versenden und auch das Kundenfeedback macht :) und generell trage ich auch zu 90% Schmuck aus genau solchen Kleinproduktionen und du machst wirklich hübsche Sachen :)
Liebe Grüße,
Kati